Sind Asexuelle in der Gesellschaft sichtbar?

Sichtbarkeit von Asexualität

In den letzten Jahren hat es eine zunehmende Medienberichterstattung über Asexuelle gegeben, die auch in den Berichten großer Medien Niederschlag gefunden hat. Asexuelle haben auch vermehrt begonnen, sich zu organisieren. Dies zeigt sich Onlineforen, aber auch in Form von Asexuellen-Stammtischen. Ebenfalls gibt es einen Verein zur Sichtbarmachung von Asexualität.

Trotz eines zunehmenden Interesses und der Selbstorganisation von Asexuellen sind asexuelle Lebensweise in der Gesellschaft derzeit noch wenig sichtbar. So werden in Romanen, Filmen und auch Reportagen partnerschaftliche Beziehungen nahezu grundsätzlich als erotische Beziehungen beschrieben. Rein platonische Beziehungen werden kaum thematisiert. Wenn über das Thema Partnerschaft gesprochen werden, denkt fast niemand an asexuell. Die einzige Partnervermittlung, die eine asexuelle Suchoption anbietet, ist Gleichklang.

Vorläufige Umfrageergebnisse

Die mangelnde Sichtbarkeit der Asexuellen in der Gesellschaft korrespondiert zudem damit, dass auch aktuell Asexuelle selbst oftmals eher dazu neigen, ihre Asexualität nicht zu thematisieren. Gemäß vorläufiger Ergebnisse unserer Umfrage geben beispielsweise lediglich 19 % der Befragten an, im Freundeskreis offen mit ihrer Asexualität umzugehen. Im Familienkreis sinkt diese Rate auf 9,5 % und im Rahmen der Gesellschaft als Ganzes auf 6 %. Die geringe Offenheit im Umgang mit der eigenen Asexualität gegenüber Freunden, Familienangehörigen und anderen gesellschaftlichen Bezügen ergibt sich dabei offenbar auch aus einer Angst, sich als asexuell gegenüber dem Umfeld zu outen. Jedenfalls berichten gemäß der vorläufigen Ergebnisse 69% der befragten Asexuellen, mindestens etwas deutliche, große oder sehr große Angst vor einem eigenen Outing als asexuell zu haben. Entsprechend geben auch bisher 69 % der befragten Asexuellen an, dass das größte Problem die Unsichtbarkeit der Asexualität in der Gesellschaft sei. 47% geben an, dass es wünschenswert wäre, wenn sich Asexuelle mehr outen würden. Gleichzeitig merken 45,5 % an, dass die Gesellschaft weiterhin zu wenig Interesse an Asexualität zeige.

Ausblick

Zusammenfassend hat sich im letzten Jahr ein verstärktes Interesse der Gesellschaft an Asexualität ergeben. Asexuelle treten heute auch vermehrt an die Öffentlichkeit. Dennoch ist insgesamt von einer geringen gesellschaftlichen Sichtbarkeit von Asexuellen auszugehen. Das gesellschaftliche Klima ist weiterhin so ausgerichtet, dass ein erheblicher Anteil an Asexuellen mit seiner Asexualität gegenüber Freunden, Familienangehörigen und gegenüber der Gesellschaft als Ganzes eher nicht offen umgeht. Auch ist in der Gesamtbetrachtung das gesellschaftliche Interesse an Asexualität nach wie vor gering. Weiterhin erfolgt typischerweise eine Gleichsetzung von partnerschaftlichen Beziehungen mit gemeinsamer Erotik. Die Möglichkeit rein asexuell-platonischer partnerschaftlicher Beziehungen wird gesellschaftlich weiterhin wenig thematisiert.

Was heute noch nicht ist, kann morgen noch werden. Durch Internet-Foren, Stammtische, Vereine und erste Medienberichte sind die Voraussetzungen geschaffen, um die Sichtbarkeit von Asexualität künftig deutlich zu erhöhen. Zielstellung sollte sein, dass künftig in der Gesellschaft die gleiche Akzeptanz und Anerkennung herrscht, egal, ob ein Mensch asexuell oder sexuell ist.

About Author:

Guido F. Gebauer, studierte Psychologie an den Universitäten, Trier, Humboldt Universität zu Berlin und Cambridge (Großbritannien). Promotion an der University of Cambridge zu den Zusammenhängen zwischen unbewusstem Lernen und Intelligenz. Im Anschluss rechtspsychologische Ausbildung, Tätigkeit in der forensischen Psychiatrie und 10-jährige Tätigkeit als Gerichtsgutachter. Gründung der psychologischen Kennenlern-Plattform www.Gleichklang.de 2006. Arbeitet seither als Psychologe für Gleichklang. Autor bei asexuell.info, Hochsensible.eu, vegan.eu und Menschenrechte.eu.

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